Ich habe nie in Parteistrukturen gepasst, weder bei den Jungen Liberalen, noch bei den Piraten, noch beim Bündnis Grundeinkommen. Ich war immer da, wo Inhalt war – nicht, wo Posten waren.
Aber manchmal brauchst du jemanden, der deinen Level versteht. Nicht wegen Status. Sondern weil du sonst allein bist mit einem Problem, das niemand begreifen kann, der noch nie Verantwortung gespürt hat.
So kam es, dass ich Jimmy Schulz anrief. FDP. Bundestag. Digitalpolitiker. Einer, der wirklich was verstand von Netzpolitik, Bürgerrechten, Freiheit.
Ich war plötzlich stellvertretender Bundesvorsitzender beim Bündnis Grundeinkommen – ein Amt, das ich nie gesucht hatte, das mich aber gefunden hatte. Und ich hatte ein Problem. Eines, das zu groß war, um es mit den üblichen Telefonkonferenzen zu besprechen.
Ich wollte Rat. Austausch auf Augenhöhe. Kein Ratschlag, keine PR-Floskel.
Und dann kam seine Antwort. Keine politische. Eine menschliche:
„Ich kann gerade nicht. Ich hab Bauchspeicheldrüsenkrebs. Frisch diagnostiziert. Ich muss das erst mal verdauen.“
Es war ein Schock. Ich fühlte mich wie jemand, der bei einem Verunglückten um Hilfe ruft. Aber er war nicht genervt. Er war offen. Klar.
Und in dem Moment wurde mir bewusst: Wir sind alle Menschen.
Mit Tumoren. Mit Sorgen. Mit Zusammenbrüchen. Auch wenn auf der Website „Bundesvorstand FDP“ steht.
Monate später rief er mich an. Schwer gezeichnet, aber mit klarem Kopf.
Er wollte etwas für mich tun.
„Ich lade Twitter vor den ADA“, sagte er.
Die #twittersperrt-Debatte – Zensur durch Plattformen, automatisierte Sperren, Sprachfreiheit im Netz – das war auch mein Thema.
Seine Geste war mehr als politisch. Es war Dank. Es war Abschied. Es war Anerkennung.
Ich werde diesen Moment nie vergessen.
Nicht, weil ein Bundestagsabgeordneter mir half.
Sondern weil ein sterbender Mensch einem lebenden Menschen etwas zurückgab.
Wir sind alle Menschen.
Und manchmal braucht es eine Krankheit, um das wieder zu merken.
Schreibe einen Kommentar