12 Monate.
Statt 20.
Oder 16.
Nur ein Jahr Bundeswehr –
die Wehrzeitkürzungen hatten zugeschlagen.
Und mit den anderen „Ausscheidern“,
die noch 16 Monate gemacht hatten,
ging es für mich
ab zum Arbeitsamt.
Der Ernst des Lebens,
wieder mal.
Ein Lebenslauf sollte es sein.
Ehrlich.
Alles rein, was ich gemacht hatte.
Na gut, dachte ich –
daran soll’s nicht scheitern.
Ich schrieb. Und schrieb.
Zwei abgebrochene Lehren,
unzählige Jobs,
praktisch alles außer Langeweile.
Doch der Kursleiter
sah das ganz anders.
„Das geht so nicht.„
Es war ihm schlicht zu viel.
Zu wirr.
Zu chaotisch.
Aber es war halt die Wahrheit.
Ich hatte das BGJ-Bau gemacht,
und dabei gleich ein Schwimmbad gebaut –
mit den eigenen Händen.
Loch von Hand gegraben,
weil keine Betonpumpe den Garten ruinieren sollte.
Ytongsteine aufgesetzt,
mit Zement verfüllt,
Stahlbewehrung in die Fugen.
Der Maurermeister meines Vaters
meinte:
„Sauber gemacht.„
Aber halt –
kein Gesellenbrief.
Ebenso wie die Zimmererlehre,
abgebrochen.
Und doch auf Dächern rumgeturnt,
verschalt, genagelt,
zum Beispiel einer Tierklinik in München.
Nicht offiziell,
aber echt.
Ein Arbeiterleben in Fußnoten.
Dann war da die Teppichkette:
Teppichrollen eingehängt,
zugeschnitten.
Wehe, so eine macht sich selbstständig –
dann kracht’s.
Beim Bremsen einer losrollenden Teppichbombe
den Arm verbrannt.
Passiert.
Bäckereikette –
frühmorgens Brötchen und Backwaren
in die Münchner Filialen gefahren.
Nur sechs Monate,
aber die Touren saßen.
Pünktlich. Beladen. Entladen.
Und dann die CD-Rohlinge –
Schleifen,
Polieren.
Damals war das noch echte Industrie.
Metalldiscs,
aus denen später Millionen CDs gepresst wurden.
Das war prä-digitale Präzision.
Und dann –
Wien.
Genauer:
der Gürtel.
Mein Ford Capri blieb liegen,
und wer tauchte auf?
Ein Student, der mir fortan ein wichtiger Freund wurde.
Er half mir, das Auto
aus dem Verkehr zu schieben.
Und im Gespräch fragte er:
„Kannst du ausmalen?“
Ich verstand nicht gleich.
„Was meinst du?“
„Malerarbeiten,
für mein Haus in Niederösterreich.“
Klar doch.
So begann Wien.
Zwei Jahre.
Einer Adresse in Mödling.
Der Student bot mir an, bei ihm zu wohnen,
statt im Auto.
Aus einem Gefallen
wurde eine Freundschaft.
Ich machte weit mehr
als ausmalen:
einen Stukkolustro,
eine „Korktür“,
die eine Wand war
und doch nicht –
mit einer cleveren Verriegelung
über ein verstecktes Fenster-Schloss.
Die Tür sah aus wie eine Korkpinnwand.
Eine Tür,
die eine Nicht-Tür war.
Ein bisschen Magie aus Baumarktmaterial.
Dann das Bad –
selbst verfliest.
Ich war stolz auf das Bodenmuster.
Damals hielt ich es für genial.
Heute?
Ach, sagen wir,
es war liebevoll gepuzzelt.
Der Student blieb ein Freund.
Bis heute.
Und da war noch etwas –
eine Dichterlesung bei ihm.
Und dort:
Sie.
Meine Frau.
Nicht geplant.
Nicht gesucht.
Einfach geschehen.
So wie vieles in meinem Leben:
durch ein Gespräch,
einen Zufall,
ein Missgeschick
am richtigen Ort.
Ein Lebenslauf?
Ja.
Nur dass meiner
nicht auf ein Blatt Papier passt.
Eher in ein Buch.
Oder zwei.
Schreibe einen Kommentar