Es war des Studenten Geburtstag.
Mödling, 1994.
Eine Dichterlesung.
Man könnte meinen,
so etwas sei harmlos,
kulturell,
ein Abend unter Schöngeistern.
Aber es war alles andere –
es war schicksalhaft.
Meine zukünftige Frau,
eine Russin,
war ebenfalls eingeladen.
Ich kannte sie nicht,
nur des Studenten Erzählungen:
Wiener Kaffeehaus, Gespräche,
eine interessante Frau.
Und der Student hatte Geschmack –
das wusste ich.
Wer mit ihm konnte,
war auch für mich ein Mensch
zum Hinschauen.
Ich las etwas
aus einem unveröffentlichten Theaterstück.
Ich halte es bis heute für schlecht.
Sie las etwas über eine Katze.
Aber vielleicht ging es nicht darum,
was wir lasen.
Es war eine Choreografie
des Umschleichens.
Ein Abtasten.
Wer bist du?
Was frisst du?
Sie fragte den Studenten,
ob Arnold verschwinden würde
Und der Student –
klug wie immer –
sagte nur:
„Keine Angst, Arnold bleibt über das Wochenende.“
Damit war alles gesagt.
Zwischen den Zeilen.
Und hinter den Blicken.
Wir kamen uns näher.
Nicht laut.
Nicht kitschig.
Aber ernsthaft.
Und ich dachte:
Ist das möglich?
Kann das jetzt schon so sein?
Also tat ich etwas,
was ich sonst nicht tat:
Ich holte meinen Schulfreund nach Wien.
Mein Schulfreund,
mein bester Freund,
mein Sparringspartner,
mein Realitäts-Check.
Er sollte
sie anschauen.
Nicht misstrauisch –
nur vorsichtig.
Denn auch Verliebtheit
hat Platz für Vernunft.
Und der Schulfreund –
gab seinen Segen.
Dann sagte ich ihr
lauter schreckliche Dinge über mich.
Die Abbrüche.
Die Irrwege.
Die Brüche und Widersprüche.
Ich legte mich offen.
Und sie?
Sie nickte.
Ruhig.
Nichts schreckte sie ab.
Nichts ließ sie zurückweichen.
Nach einer Woche
sagte ich:
„Dann heiraten wir.“
Und sie antwortete:
„Ja.“
Nicht als Frage.
Sondern als
Beschluss.
Ja, es dauerte noch ein wenig.
Formulare, Behörden, der übliche Kram.
Aber eigentlich
waren wir ab da verheiratet.
In unserem Herzen.
In unserem Willen.
In unserer Entschiedenheit.
Und jetzt –
über 30 Jahre später –
sind wir es immer noch.
Denn manchmal
entscheidet sich ein ganzes Leben
an einem einzigen
Wochenende.
Bei einer
Dichterlesung.
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