Kapitel 37 – Zwei Freunde, eine Frau und eine Domain

Meine Frau,
sie war – ohne es zu wissen –
Knotenpunkt und Katalysator.
Zwei Freunde verband sie miteinander.
Der eine wurde
mein Trauzeuge.
Und ist es bis heute geblieben.
Der andere –
ich verlor ihn.

Es war besonders,
denn er war mein engster Schulfreund
aus unserer gemeinsamen Schulzeit.
Einer, mit dem man nicht nur lachte,
sondern auch dachte.
Stundenlang.
Diskussionen.
Seine Masterarbeit
wir haben sie durchgeackert.
Zusammen.
Seite für Seite.
Gary S. Becker stand im Zentrum.
Und seine Kritik war präzise,
klug und vor allem:
gerechtfertigt.

Denn was nützt eine Theorie,
wenn sie nicht hält,
was sie vorgibt?
Wenn sie die Welt falsch erklärt,
falsche Entscheidungen rechtfertigt,
falsche Politik hervorbringt?

Ich war enttäuscht,
dass er nie eine Dissertation daraus machte.
Er hätte den intellektuellen Atem gehabt.
Die analytische Schärfe.
Aber vielleicht fehlte ihm
der Wille zum Sturm.


Er stellte mich damals
seinem Professor vor.
Ich war stolz,
neugierig –
bereit für das Gespräch.

Doch dann kam dieses Wort:
Extrapolation.
Ich war jung,
unsicher.
Und ich war
zu feige nachzufragen.
Ich nickte,
verstand nichts
und versagte mir selbst den Zugang.

Ein Fehler,
den ich später nie wieder machte.
Nie wieder zu stolz,
zu eitel,
um zu sagen:
„Ich verstehe das nicht – bitte erklär’s mir.“


Dann kam Babsi.de.
Eine Idee.
Ein Projekt.
Eine Domain,
die ich heute noch habe:
BauAbsichtenSystemInformationen
(kurioser Name – ja –
aber mit Herzblut gedacht.)

Eine Art
Immobilienscout24,
lange bevor das groß wurde.
Wir wollten
strukturierte, transparente Immobilieninfo
mit Bauabsicherungen verknüpfen.
Innovativ.
Mutig.

Doch als es ernst wurde,
als aus Träumen
Verantwortung wurde,
nahm er Reißaus.
Schlich sich davon.
Verdrückte sich.

Der Feigling.

So hart das klingt –
aber genau so fühlte es sich an.
Ein Freund,
der nicht blieb,
wenn’s real wurde.


Manchmal sind die größten Verluste
nicht die materiellen.
Sondern die,
bei denen man gemeinsam
Zukunft gedacht hat –
und sie dann
allein weiterdenken muss.



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