Nach dem Schreibdienst kam die Telefonauskunft. Seriös. Amtlich fast. Die Stimme fest, das Wissen prompt. Man war Stimme im Nichts, Orientierung für andere.
Davor: eine andere Leitung. Achtziger Jahre. Anzeigenverkauf im Namen einer deutschen Polizeigewerkschaft.
Nicht direkt, versteht sich. Die Gewerkschaft bleibt sauber. Die Drecksarbeit machen andere.
Outsourcing von Scham.
Die Polizei – ein Produkt. Ehrlich, sauber, sicher.
Ein Türöffner am Telefon.
„Guten Tag, im Namen der Polizeigewerkschaft …“
Das zieht.
Zieht Geld aus Firmen, die glauben, sie tun Gutes. Für das Ansehen. Für den Schutz.
Aber sie kaufen sich nur ein in ein Heft, das mehr Anzeigen druckt als Inhalte.
Ein teures Alibi.
Wer da wie viel kassiert? Völlig irre. Keine Relation zu realem Marktwert.
Ich konnte das nicht lange mit mir vereinbaren.
Noch schlimmer davor: Drückerkolonne.
Einem vermeintlichen Unfallopferhilfswerk. Klingt gut. War Dreck.
Sechs Wochen im rollenden Wahnsinn.
Menschen rekrutiert, in Wohnungen gesteckt, abhängig gemacht.
Haustür für Haustür, Klinke für Klinke.
Mitgliedschaften verkauft für ein Scheinhilfswerk, dessen Hauptziel es war, Menschen auszunehmen.
Abschlussgebühren ausgezahlt, Stornos einkalkuliert.
Ein System aus Schuld, Druck und Abhängigkeit.
Ich sah, wie ein Kolonnenleiter einem ins Gesicht schlug. Quote zu schlecht.
Ich ging. Einfach weg.
Vor es zu spät war.
Vor ich selbst Teil wurde dieses „legalen“ Verbrechens.
Und bis heute?
Niemand tut etwas dagegen.
Weil es niemand sehen will.
Oder weil es zu viele kennen – aus der anderen Perspektive.
Merke schon die Kieselsteinchen werden immer kürzer.
Als ich dies hier einstellte, viel mir noch der „Kollege“ ein,
der sich nicht direkt als Polizist ausgab,
aber doch mit dem Polizeigewerkschaftslogo,
in der S-Bahn rumspielte.
Wie auch immer diese Info zum Drückerkollonencallcenter kam,
er wurde entsprechend runtergebürstet.
Ob nun der Telekommitarbeiter die Leitung prüfen will,
der scheinbare Sanitäter vor der Haustür steht,
der Finanzberater am Telefon Geld sparen will,
die großen Namen die Türe öffnen sollen,
es wird nicht nur geduldet,
es ist gewollt.
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