Geld hatte ich nie. Vielleicht am ehesten während meiner Zeit in der Telefonauskunft.
Davor: Schreibdienst. Danach: IT-Support. Dazwischen: eine Fügung.
Die Berufsgenossenschaft schickte mich in eine Depression. Der Therapeut empfahl das Abendgymnasium. Und gleich nebenan: ein Pilotprojekt – die erste private Telefonauskunft Deutschlands.
Ich klopfte an.
Fünf Leute waren wir.
Der Inhaber. Ein Geschäftsführer. Ich. Ein Planer. Ein Agent.
Ein Start-up, bevor es das Wort dafür gab.
Die Muttergesellschaft verkaufte ihre Auskunftssoftware auch an die Telekom. Wir benutzten sie – unsere eigene Auskunftssoftware.
Der Laden wurde hergerichtet wie eine Visitenkarte. Repräsentanz. Präsentationsobjekt.
Manchmal pinselten wir sogar Steckdosen in Teppichfarbe, damit sie nicht störten.
Der Künstler, der die Räume gestaltete, war mehr Gastgeber als Handwerker.
Tagsüber Telefonauskunft, abends Gymnasium.
Zumindest der Plan.
In Wahrheit drehte es sich bald.
Ich wurde Schulungsreferent, entwickelte Personaleinsatzplanung, programmierte PEP.
Und irgendwann reichte ich nicht mehr nur Gespräche weiter – sondern Ideen.
Einmal wurde ich an den Mutterkonzern „ausgeliehen“, um die Auskunftssoftware zu verbessern.
Ich hatte eine Idee: Geographische Umkreissuche.
Fixpunkt: ein Ort in der Schweiz.
Nicht genial – aber funktional.
Es funktionierte.
Wie vieles in meinem Leben.
Ich sagte immer: „Ich bin kein Programmierer.“
Und das war auch gut so.
Meine Einsatzplanung schrieb Daten auf Festplatte und holte sie sich wieder zurück – langsam, ineffizient, wie durch Schlamm.
Bis ein Student neben mir stand und fragte:
„Warum schreibst du das nicht in ein Array?“
Antwort: „Weil ich Array nie gelernt habe.“
Und plötzlich lief alles schnell.
Learning by doing.
Das war mein Studium.
Windows 3.1? Lächerlich. Kein Papierkorb.
Mein Atari ST in den Achtzigern konnte mehr.
Microsoft war immer schon ein Witz für mich.
Privat hatte ich früh Linux. SLS war meine erste Distribution.
Davor: Boot- und Rootdiskette aus einer Computerzeitschrift.
Beim Mutterkonzern: AIX im Backend, DOS als Client, VI als Editor.
Bis heute: Vim auf der Kommandozeile.
Nano? Nein danke.
17 Sekunden – so lange darf eine Telefonauskunft dauern, wenn man sie richtig führt.
Ein durch Messung eines Unternehmensberaters bestätigt.
Mit der richtigen Frage.
Mit dem richtigen Ohr.
Und vielleicht war das mein Talent:
Den Punkt finden.
Im Code. In Gesprächen.
Im Leben.
Die Kapitel waren geschrieben für Kieselsteinchen.de
Dann so beim Einstellen,
ich vergesse den Künstler nicht,
wie ich mit ihm die Wände der Visitenkarte dekorierte.
Wir über die Telefonscheibe weiter links,
oder doch weiter rechts diskutierten.
Ich ihn fragte wie er dazu kam,
dem Besitzer hätten in Schwabing seine Bilder gefallen.
Und klar als Künstler gegen Geld eine ganze Etage austatten:
Wow – ja warum nicht.
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