Kapitel 44: Zwischen Show und Substanz

Zwischen Erfolg und Misserfolg liegen manchmal nur die Nerven.
Oder der Mut, eine Illusion zu inszenieren, bis sie Realität wird.

Damals – Viag Interkom.
Ein Projekt mit einem potenziellen Volumen von 400.000 D-Mark im Monat.
Kein Taschengeld. Kein Planspiel.
Ein echter Fisch hatte angebissen – der Vorstand selbst.

Die Idee war stark.
Ein Callcenter, das besser ist als alles, was es auf dem Markt gab.
Effizienter. Menschlicher. Durchdachter.
Und ich hatte alles – außer: die Show.

Der Vorstand wollte sehen.
Nicht hören. Nicht glauben.
Er wollte Räume. Agents. Headsets. Monitore.
Eine Bühne.

Ich hatte: Visionen.
Was ich nicht hatte: Kulissen.

Ich hätte einen Raum mieten können.
Leute reinsetzen. Headsets verteilen.
Eine Simulation bauen – wie es andere tun.

Aber ich tat es nicht.
Nicht aus Dummheit.
Aus Anstand? Aus Angst? Aus einer alten Weigerung, Blender zu sein?

Vielleicht war ich zu feige.
Oder zu ehrlich.

Und so ist es passiert, wie es dann eben passiert:
Der Fisch schwamm weiter.
Und mit ihm das Projekt, das hätte alles ändern können.

Heute weiß ich: Erfolg ist oft nur eine Inszenierung.
Und wer nicht mitspielt, bleibt Zuschauer.

Aber ich frage mich manchmal:
Wenn ich es getan hätte – nur einmal, diese eine Show –
hätte es dann gereicht?

Oder hätte ich mich selbst verloren?

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