Geld hatte ich nie.
Und selbst als es plötzlich da war – oder hätte sein können – ließ ich es liegen.
Fünf Millionen Euro.
Ein Angebot von Götz Werner, über seine Schweizer Stiftung.
Für das Bündnis Grundeinkommen.
Für unsere Idee.
Aber das Parteiengesetz ist klar:
Kein Geld aus dem Ausland.
Und Prinzipien waren mir wichtiger als Wege, die vielleicht zum Ziel führen – aber durch Grauzonen führen.
Ron war stinksauer.
Vielleicht war es der Anfang vom Ende.
Vielleicht auch nur der Anfang eines ehrlicheren Weges.
Was bleibt, ist die Geschichte.
Die echte. Die vom 2. April 2016.
Ein Chat auf Twitter.
Zwei Menschen.
Eine Idee.
Ronald Trzoska:
„Lust neue monothematische Partei zu gründen?“
Ich:
„Die Satzung ist ja mehr oder weniger vorgegeben durch die Gesetzeslage.“
Ronald:
„Das ist Quatsch. Eine Satzung ist die Verfassung einer Partei.“
Und so ging es weiter.
Hin und her. Argumente. Paragraphen. Idealismus.
Am Ende: eine Vision.
Eine Partei – für nur ein Thema.
Das Bedingungslose Grundeinkommen. BGE.
Wir nannten es das Bündnis Grundeinkommen.
Kurzbezeichnung: BGE.
Zusatz: Die Grundeinkommenspartei.
Am 25. September 2016 wurde aus der Idee Wirklichkeit.
32 Menschen aus 11 Bundesländern trafen sich in München –
und gründeten eine Bundespartei.
Wir waren keine Partei für alle.
Wir wollten auch keine sein.
Wir wollten: Werkzeuge sein.
Für Kandidierende. Für eine Idee.
Ein Bürgensystem schützte uns:
Wer Mitglied werden wollte, brauchte zwei Gründer als Bürgen.
Kein offenes Tor, sondern ein kontrollierter Eingang.
Nicht aus Arroganz – aus Notwendigkeit.
Denn Ideen müssen geschützt werden, wenn sie Bestand haben sollen.
Von April bis September führten wir unzählige Gespräche.
Konferenzen. Debatten.
Und schließlich:
Eintrag ins Parteienregister.
Das Ziel:
Das Grundeinkommen auf 45 Millionen Wahlzettel zu bringen.
Und 2017 gelang es uns tatsächlich.
Bundesweite Teilnahme an der Bundestagswahl.
97.386 Stimmen.
Kein Mandat.
Aber ein Zeichen.
Ein Anfang.
Kapitel 45: Der, der ging, als es zählte
Ich wusste, dass ich gehen würde.
Von Anfang an.
März 2017.
Das hatte ich intern kommuniziert.
Ein Jahr Aufbau.
Dann Rückzug.
Und ich ging nicht einfach still – ich verschwand bewusst.
Ich tauchte nicht auf beim Bundesparteitag des Bündnis Grundeinkommen mit Vorstandswahlen.
Nicht, weil ich trotzig war.
Sondern weil ich wusste: Wenn ich da bin, bleibe ich.
Und ich musste gehen, um mich selbst nicht zu verlieren.
Stattdessen:
Bundesparteitag der Piraten.
Gespräch mit Patrick Schiffer.
Ein Stunt? Vielleicht.
Ein Symbol? Ganz sicher.
Die Piraten? Sauer.
Sie sahen Konkurrenz, nicht Strategie.
Dabei war meine Absicht ganz anders:
Brücken bauen, keine neue Front.
Aber die Brücke wurde früh zerstört –
durch den Bezirksvorsitzenden der Piraten Oberbayern.
Was hätte werden können, blieb auf der Strecke.
Und aus Verbindung wurde Trennung.
Dann ging ich.
Und mit mir ging etwas, was ich nicht für so bedeutend hielt:
Struktur. Organisation. Haltung.
Die Partei, die ich mit aufgebaut hatte,
die ich zusammengehalten hatte,
zerbröselte schneller, als ich schauen konnte.
Nicht aus Böswilligkeit.
Nicht aus Dummheit.
Sondern weil zu viele dachten, der Bär sei schon erlegt –
und sich um das Fell stritten, das es noch gar nicht gab.
In zwölf Monaten eine Partei zu gründen,
sie in allen 16 Bundesländern zur Bundestagswahl zu bringen,
mit Unterschriftensammlung, ohne große Medien,
ohne Geld, ohne Apparat –
das ist eine logistische Meisterleistung.
Und ich glaube –
auch wenn ich es nicht beweisen kann –
dass das noch niemand sonst geschafft hat.
Nicht mal die Piraten.
Obwohl sie seit 2006 existierten
und 2009 mit 0,9 % zur Europawahl bundesweit bekannt wurden.
Aber sie haben es beim Erstantritt nicht in alle Länder geschafft.
Wir schon.
Ich war danach ausgebrannt.
Parteiintrigen, Machtspielchen, Kontrollverluste.
Soziologisch faszinierend, menschlich belastend.
Kaum ist die Idee geboren,
fangen Menschen an, das Erbe zu verteilen.
Der Bär atmet noch – und doch wird schon das Messer gewetzt.
Manchmal fühlte es sich an
wie in „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“.
Absurdität trifft auf Ernst.
Und mittendrin: Ich.
Mit einer Idee, die plötzlich größer war als ich selbst.
Und mit der Erkenntnis: Manchmal ist das Gehen die einzig richtige Form von Führung.
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