Es war einer dieser Wintermorgen, die nach billigem Kaffee rochen
und nach Pflichtgefühl.
Berufsschule. BGJ Bau – Grundausbildungsjahr.
Von Erding nach Freising, das hieß:
Kälte, frühe Dunkelheit, und ein alter VW Käfer,
der mehr klappert als fährt.
Mit an Bord: Tom und Max.
Drei junge Männer, drei Schicksalsgemeinschaften,
ein klappriges Blech,
und eine Brücke,
die alles ändern würde.
Der Morgen war glatt,
aber niemand sprach das aus.
Man hofft ja immer, dass es nur halb so schlimm ist.
Wir fuhren.
Die Brücke kam.
Eis.
Unverhandelbar.
Kaum waren wir auf dem Brückenbogen,
zog der Käfer zur Seite wie ein erschrecktes Tier.
Reifen verloren jeden Halt,
die Kontrolle schwand.
Panik nahm den Platz ein, wo vorher nur Müdigkeit saß.
Am Ende der Brücke – eine 90-Grad-Kurve.
Und direkt daneben:
die Friedhofsmauer.
Niemand will, dass die letzte Kurve im Leben
ausgerechnet die ist, die dich zum Friedhof bringt.
Alles, was dann passierte, war instinktiv.
Schleudern, korrigieren, beten,
irgendwie durch,
linker Kantstein, rechter Kantstein,
der Käfer tänzelte wie ein angeschossenes Tier
durch den tödlichen Schwung.
Und dann – wir waren durch.
Wirklich durch.
Überlebt.
Das Gefühl:
nichts zwischen einem selbst und dem Tod
außer ein paar gebrochene Achsen
und drei weit aufgerissene Augenpaare.
Wir hielten nicht an.
Wir atmeten durch.
Und genau da, in dieser Erleichterung,
in diesem
„Wir leben noch!“,
rollte der Käfer langsam rückwärts.
Ein leises „klonk“,
ein dumpfes „krach.“
Betonpfosten.
Unbeteiligt, emotionslos.
Er nahm den Motorblock heraus
wie ein Zahnarzt einen faulen Zahn.
Totalschaden.
Das Auto war kaputt.
Aber wir waren heil.
Und das ist ja irgendwie das Gegenteil von Tragödie.
Oder, wie man in solchen Momenten sagt:
„Käfer kaputt – wir leben noch.“
Vielleicht war’s der schönste Totalschaden meines Lebens.
Weil er nicht den Tod bedeutete.
Sondern genau das Gegenteil.