Anstand als politisches Programm

Die Todesstrafe ist ein Relikt, das einst selbst ein Denker wie Jean-Jacques Rousseau noch zu rechtfertigen suchte. Doch es gibt keinen anständigen Grund, der diese Form der Strafe rechtfertigt. Mord ist unanständig, und nur weil sich jemand unanständig verhält, hat der Staat nicht das Recht, sich ebenso unanständig zu verhalten.

Ein anständiger Staat versucht, alle Wege zu gehen, um den Anstand zu wahren. Anstand ist in diesem Sinne keine passive Tugend, sondern eine aktive Selbstbeschränkung: die Entscheidung, sich nicht auf die Mittel der Unanständigen einzulassen.

Dies bedeutet keineswegs mangelnde Entschiedenheit. Im Gegenteil: Womöglich hätte es in Konflikten wie im Kosovo oder in Syrien ein schnelleres, entschiedeneres Handeln auf internationaler Ebene bedurft, um die schlimmsten Folgen zu vermeiden.

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