Das Gefängnis der Sprache

Wir sind nicht nur Teil des Sozialen, wir sind auch geformt durch das Medium, in dem wir denken: die Sprache. Dass diese Gedanken in deutscher Sprache formuliert sind, liegt darin begründet, dass es meine Muttersprache ist. Die Sprache prägt das Denken in einer Weise, die Überlegungen unter Umständen unübersetzbar macht.

Genau diesen fundamentalen Unterschied zwischen den Sprachen – und damit den Kulturen – zu überwinden, ist eine der wichtigsten politischen Investitionen. Doch stattdessen verweigern wir den Gedankenaustausch, indem wir den Sprachwissenschaften nicht die gleiche Wertigkeit beimessen wie der Entwicklung einer Kampfdrohne. Der Mensch, der der Drohne begegnet, muss sterben, weil wir nicht bereit sind, in den Dialog zu investieren.

So sehr wir uns systembedingt nicht von außen untersuchen können, so sehr sind wir gemeinsam verbunden. Das, was uns von der Welt trennt – unser Bewusstsein und unsere Kultur –, ist gleichzeitig das, was uns miteinander verbindet. Es gibt eine gemeinsame Sache, eine Res Publica.

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