Die Scharlatanerie des Wissens

Die Tendenz, gerade bei sozialen Problemen zu naturwissenschaftlichen Methoden zu greifen, ist nur logisch, da die außermenschlichen Gegenstände der Physik und Technik eine Scheingewissheit suggerieren. Doch dies ist dieselbe Scharlatanerie, die schon die vorantiken Hohepriester beherrschten, als sie eine Sonnenfinsternis vorhersagen konnten. Das Niveau mag sich gehoben haben, aber letztlich versteckt sich die Politik hinter scheinbaren Gewissheiten, indem sie vorgibt, die Sachverhalte seien „zu komplex“, als dass der gemeine Wähler sie verstehen könne.

Diesen Mythos des überlegenen Wissens nährt die intellektuelle Elite: Wenn Denker wie Peter Sloterdijk für eine „Elitenzüchtung“ plädieren, weil der Humanismus angeblich gescheitert sei, fühlen sich die Mächtigen natürlich bestätigt. Auch wenn man populären Philosophen wie Richard David Precht Halbbildung vorwirft, übersieht man das Grundproblem: Es gibt keine Vollgebildeten mehr. Die letzten Universalgelehrten sind vor über hundertfünfzig Jahren gestorben.

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