Auf der internationalen Ebene kommen noch die unterschiedlichen Sozialisationen der Kulturen hinzu. Zamenhof schuf einst die Sprache Esperanto aus politisch nachvollziehbaren Gründen, in der Hoffnung auf Völkerverständigung. Sein Appell an die absolute Gerechtigkeit unter den Menschen angesichts der drohenden Katastrophen des 20. Jahrhunderts macht die folgende Barbarei umso unverständlicher.
Das politische Handeln steht auf keinem soliden Fundament. Es scheint egal, was Rousseau oder Voltaire, Wittgenstein oder Popper, Adorno oder Max Weber schrieben. Ob man es Haskala, Aufklärung oder christliche Nächstenliebe nennt, es scheint keine Politik zu geben, die sich jemals wirklich danach ausgerichtet hätte.
Jeder Gedanke scheint schon gedacht und jede Handlung liegt irgendwo zwischen dem demokratischen Schierlingsbecher (dem idealistischen Märtyrertod für die Wahrheit) und dem cäsarischen Gallischen Krieg (der brutalen Machterweiterung). Zweifellos sind wir derzeit dem Kriege mit dem Bau von Drohnen näher. Die gemeinsame Sache ist jedoch das soziale Handeln, das auf allgemein verbindlichen Entscheidungen und Steuerungsmechanismen ausgerichtet ist, die das Zusammenleben von Menschen regeln und die unentrinnbare Differenz friedlich ausgleichen.
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