Aus dieser unentrinnbaren Differenz zwischen den Standpunkten und dem Gefängnis der Sprache entsteht die politische Tragödie.
Wir handeln immer – auch wenn wir nicht handeln, also unterlassen, dann handeln wir im politischen Sinne. Die meisten Bürger eines Gemeinwesens verkennen dies, da sie meinen, unpolitisch zu sein und lediglich ihrer Arbeit nachzugehen. Sie bilden sich ein, die Politik sei das, was „die Politiker“ machen.
Tatsächlich aber ist es unserer aller Sache. Jeder ist Gegenstand der Politik, weil jeder ein Teil des Sozialen ist. Die Verbindlichkeit aller in dieser gemeinsamen Sache kann sich nur dadurch herstellen, dass auch diejenigen, die sich scheinbar nicht beteiligen, durch diese Unterlassung den Mächtigen und Machern zustimmen. Wenn diese Unterlasser dann über „die da oben“ motzen oder Nichtwähler sagen, dass „man“ eh nichts ändern könnte, dann bestätigen sie nur ihre eigene Machtlosigkeit und ändern eben nichts. Auch dies ist ein Handeln im politischen Sinne. Politische Macht kann nur dort entstehen, wo sie zugelassen wird – und sei es durch Unterlassung.
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