Werte als Legitimationsgrundlage (Max Weber)
Max Weber unterschied in seiner Handlungstypologie zwischen zweckrationalem, affektuellem, traditionalem und wertrationalem Handeln. Wertrationalität meint, dass Akteure ihr Handeln nicht nach Erfolgsaussichten oder Nutzen bemessen, sondern nach einem als verpflichtend empfundenen Wert oder Prinzip. Damit werden Werte in der Politik zu einer Legitimationsquelle: Politische Ordnungen und Entscheidungen rechtfertigen sich nicht nur durch ihre Effizienz (zweckrational), sondern durch ihre Bindung an normative Prinzipien wie Gerechtigkeit, Freiheit oder Gleichheit.1
Wert als Differenz: Weber betont, dass Wertorientierungen in sozialen Handlungen eine zentrale Rolle spielen. Sie sind stets relational, weil sie im Verhältnis zu anderen Werten, Normen und Erwartungen stehen. Werte motivieren Handlungen nicht isoliert, sondern in Abgrenzung und Bezug
Werte als Setzung: Werte werden nach Weber in kulturellen, religiösen und politischen Institutionen institutionalisiert. Sie sind nicht naturgegeben, sondern Ergebnis sozialer Prozesse, die je nach Kontext variieren.2
Gefährliche Setzungen: Weber warnt vor charismatischer und autoritärer Herrschaft, in der Werte instrumentalisiert werden, um Macht zu festigen. Religiöse oder ideologische Wertsetzungen können so zum Mittel politischer Dominanz werden.3
Werte als Axiome: Manche Werte erscheinen bei Weber als Grundannahmen (z. B. Pflicht, Gerechtigkeit), die rationales Handeln strukturieren, ohne selbst vollständig begründbar zu sein. Ihre kritische Reflexion ist nötig, da sie Handlungen prägen, oft unbewusst.4
1Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie (Tübingen: Mohr Siebeck, 1922/1972), Kap. 1, §2
2Ebd., §§3–4.
3Max Weber, Politik als Beruf (München: Duncker & Humblot, 1919).
4Wolfgang Schluchter, Religion und Lebensführung. Studien zu Max Webers Kultur- und Werttheorie (Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1988).